- Kategorie: Pu'erh, Sheng
- Herkunft: China, Yunnan, Lincang, Mengku, Shuangjiang, Bingdao
- Jahrgang: 2023
- Form: Bingcha, 200g (nur Sample vorhanden)
- Private Produktion (via journey_teas)
Seit längerem ist mal wieder ein Bingdao im Kännchen - und nicht nur irgend einer, sondern eine Danzhu-Produktion von einem im Hauptdorf (Laozhai) ansässigen Produzenten. Hier sind schon zwei sehr wichtiges Infos zum Tee enthalten:
- es handelt sich um authentisches Material aus Bingdao Laozhai - als DAS Bingdao, welches für seine mentholig/minzige Note bekannt und deshalb gefragt ist und nicht um eines der benachbarten Dörfer, welche diese Note nicht (oder nur im Ansatz) aufweisen (wie z.B. der 2013er "Bingdao" den Nannuoshan mal im Angebot hatte, aber eigentlich keiner ist/war)
- es handelt sich Danzhu-Material, also Tee von einem einzelnen (alten) Baum, was gerade bei solch gefragten Regionen das Nonplusultra ist
Ersteres mag nach Korinthenkackerei klingen, ist aber im Prinzip das gleiche wie bei Laobanzhang: nur das Hauptdorf ist LBZ, die fünf umliegenden Dörfer sind Banzhang aber nicht Laobanzhang - und das macht nicht nur auf dem Papier einen Unterschied! Das heißt nicht, dass Banzhang-Tees schlecht sind - der 2019er Bakanan von Peter hat das eindrucksvoll unter Beweis gestellt und ich bin sehr gespannt, wie der 2025er Banzhang Wild von Deng Shihai in ein paar Jahren sein wird - aber es ist etwas anderes und muss dann wie der Bakanan auch entsprechend gelabelt sein, damit man nicht die Katze im Sack kauft.
Letzteres ist bei Bingdao ein Novum für mich: es ist wie gesagt ohnehin schon schwierig im Westen an einen guten Bingdao zu kommen, aber selbst wenn das klappt, ist es nie ein Danzhu. Und wie die sehr schönen Danzhu-Produktionen von Peter (prSK) immer wieder aufs neue beweisen: das sind für mich persönlich einfach die spannendsten Tees! Das hat aber natürlich auch seinen Preis: mit knapp 4,20€/g ist das schon ein verdammt teurer Tee - aber wenn man schonmal die Chance hat, solch einen Tee zu probieren, an den man im Westen normalerweise nicht herankommt, dann ergreift man sie doch 😉
Und es hat sich durchaus gelohnt, denn zwei Dinge macht der Tee richtig gut: einerseits hat er ein kraftvolles Qi, das zwar primär in der Kopf-Region wirkt (ich bevorzuge eher körperbetontes Qi) aber dennoch sehr angenehm und entspannt ist und andererseits eine sehr volle, schwere Textur - richtig viskos (siehe dazu auch meine Anmerkungen hier). Aber ich wäre kein ordentlicher Tee-Snob wenn ich nicht auch etwas zu meckern hätte: der Tee hat leider eine gewisse Lagernote, die an und für sich nicht all zu schlimm ist aber die charakteristische Bingdao-Note überdeckt (etwas leicht pilziges, eigentlich sogar durchaus angenehm wenn es ein anderer Tee wäre wie bei dem sehr schönen 2004er XG Teji Tuo, der davon lebt und nicht vom Material an sich). Bei einem Tee in der Preisklasse erwarte ich Perfektion, daher gibt es dafür etwas Abzug - und wenn man "nur" einen authentischen Bingdao erleben möchte ist man mit dem 2010er von Yu oder dem 2006er den EoT im Angebot hat für weniger Geld besser bedient, auch wenn diese gerade was die Textur nicht mit diesem hier mithalten können. Ein ganz anderes Level aber dennoch erwähnenswert ist der 2006er Mengku Rongshi Bingdao: im Gegensatz zu den Boutique-Produktionen ist der etwas derber, weshalb hier auch eine gute Storage-Note dem Charakter des Tees zuträglich ist statt wie bei diesem hier dem ganzen im Weg zu stehen. Tja, alles nicht so einfach 😂
Bewertung: 5-Sterne




