• Kategorie: Pu'erh, Sheng
  • Herkunft: China, Yunnan, Xishuangbanna, Menghai, Bulang, Banzhang
  • Jahrgang: 2025
  • Form: Bingcha, 380g
  • Deng Shihai (鄧時海) via taiwan_tea_adam

Nach dem eher etwas enttäuschenden Douji-Exkurs im Herbst (da hat die Realtität nicht mit der Nostalgie mithalten können) hat Adam für mich zwei Tees von Deng Shihai (鄧時海) gesourcet - ist schon klasse, wenn man einen kompetenten Tee-Freund in Taiwan hat: so kommt man auch an Tee, die es sonst nicht zu uns in den Westen schaffen würden 🙏

Deng Shihai ist ein hier im Westen eher unbekannter, in Taiwan aber hingegen ein sehr bekannter Name. Er ist Gründungspräsident der Taiwan-based "Chinese Pu-erh Tea Society", hat mehrere (in Taiwan und China bekannte da nur auf Chinesisch verfügbare) Bücher geschrieben und ist in Taiwan auch als the "Number One Person of Pu-erh Tea" und the "King of Pu-erh" bekannt. In den 1980ern ist er im Yixing-Business, nachdem die damalige Blase in den 1990ern jedoch geplatzt ist (in Taiwan), hat er sich dem Pu'erh zugewendet was jedoch zunächst nicht so gut lief, da noch vor der berühmten Puerh-Expedition (diese war in den späten 1990ern, siehe Buch "Puer Tea: Ancient Caravans and Urban Chic" von Jinghong Zhang) und alle nur Oolong getrunken haben. Also schrieb er 1995 das Buch "Pu-erh Tea" was später als die Bibel des Pu'erh angesehen wurde und für Aufschwung im Pu'erh-markt sorgte (nicht nur in Taiwan sondern auch in anderen Ländern wie Korea und Thailand - in China wurde das Buch erst 2004 veröffentlicht) und 2005 folgte das zweite Buch "Pu-erh Tea: Continued". 2003 war er einer der ersten, die Lincang als Region für guten Pu'erh entdeckt haben, da diese damals noch im Vergleich zu Yiwu und Bulang wenig kommerziell bekannt und daher weniger stark bewirtschaftet war - was dann aber mit bekanntwerden von Bingdao und Xigui auch bald vorbei war.
(Hinweis: Daten stammen aus diesem Artikel)

Außerdem stammen von ihm Tees wie der 2007er Fulu Round Tea (der erste Jahrgang des Fulu Round Teas wurde 2006 gepresst und wenn ich das richtig verstanden habe seither jedes Jahr produziert - zumindest in diesem Blog-Post von 2012 trinken sie einen damals aktuellen Jahrgang) oder der 2003er Jingmai Millennium Ancient Tree: der beste Jingmai den ich kenne! Er ist jedenfalls sehr ein Vertreter davon, dass Sheng Pu'erh reifen muss und nicht unbedingt zum jung trinken gedacht ist, da seine These "Pu'er Tea gets better with age" ist, was er bereits in einem Paper 1993 zum ersten Pu'er Tea Academic Symposium in Simao dargelegt hat (und damals wohl noch für Kritik sorgte). Dieser Absatz aus diesem Artikel von 2015 fasst seine Ansicht denke ich ganz gut zusammen (es lohnt sich jedoch den ganzen Artikel zu lesen!):

"But the idea that 'the older the better' can never be scientifically proven, and many researchers still don't accept this concept," Deng Shihai said thoughtfully. "It's like some experiences can be scientifically proven, while many others cannot, but from an artistic perspective, I believe it holds true. Just like emotions, friendships, and aesthetics cannot be scientifically proven." Talking to Deng Shihai about Pu'er tea, you'll find that "art" is a word he uses frequently, and this word undoubtedly forms the core and main axis of his thoughts on Pu'er tea. In his view, Chinese tea culture has developed very well in terms of science and technology, but its artistic refinement is still far from sufficient.

Dieses Jahr hat er zu diesem zweck auch ein Pu'erh Research Institute gegründet, was sich mit Produktion und Reifung von Pu'erh beschäftigt - und das hier ist der erste Tee davon. Das Neipiao sagt das auch ganz eindeutig: der Tee ist ein Blend aus Herbst- und Frühjahrsmaterial mit dem Ziel einer guten Reifung - und das merkt man!
2025 Deng Shihai Banzhang Wild

Obwohl ja noch ganz jung fühlt sich der Tee anders an, als eine moderne Boutique-Produktion - selbst die nicht ganz so grün produzierten Boutique Tees fühlen sich deutlich grüner an, was man auch bereits an der Aufgussfarbe sieht, wenn man diese z.B. mit dem 2025er Laobanzhang von prSK vergleicht. Daher ist der LBZ auch kein guter Vergleich (bzw. Boutique-Tees generell), wenn man diesen Tee einordnen möchte, da er eher einen klassischen Factory-artigen Charakter hat (Blend und ausgelegt auf Reifung), jedoch auf einen deutlich höheren Qualitätsniveau - am ehesten dürfte er daher mit den modernen high-end Factory-Produktionen wie dem 2020er Da Banzhang von Bajiaoting vergleichbar sein (zumal hier auch die Region passt). Auf jeden Fall ein sehr spannender Tee, dem man sein Konzept direkt anmerkt (auch wenn ich die Übersetzung zum Zeitpunkt noch nicht kannte, als ich ihn getrunken habe): er ist ordentlich bitter (wenn auch nicht so heftig wie gedacht, da Adam im Vorfeld schrieb, dass ein Mit-Trinker auf Grund der Bitterkeit aussteigen musste) und die unterschiedlichen Charakteristika von Frühjahr und Herbst sind noch nicht miteinander verschmolzen und "bekriegen" sich aktuell etwas gegenseitig statt einen einheitlichen roten Faden zu ergeben. Aber man merkt sofort, dass man sich bei dem Blend etwas gedacht hat: das Herbst-Material sorgt für eine samtigere Textur und süßeren Abgang während das Frühjahrsmaterial die benötigte Power und Kante in den Blend bringt, um ihn spannend zu machen. Das ist etwas ganz anderes als ein moderner Popart-Blend, bei dem es um bunte Wrapper und sofortige Trinkbarkeit (mit zweifelhaftem Ergebnis) geht: man kann ihn (wenn man es derb und bitter mag) durchaus auch jetzt trinken aber sowohl meinen Mittrinkern als auch mir war sofort klar, dass der Tee erst in ein paar Jahren sein volles Potential zeigen wird ... und vermutlich durchaus mit steigendem Alter immer besser wird, also ganz im Sinne des Erfinders. Und vor dieser These kann ich, der ja sonst absoluter Verfechter von single origin Tees bin, durchaus auch solch gut gemachte Blends unterschreiben - denn die große Stärke eines single origin Tees (einzigartiger Charakter) kann auch seine große Schwäche sein: der 2017er Private Order Lao Man E Bitter only Maocha von Yu hat das deutlich gezeigt. Vor 8 Jahren war der dem Namen entsprechend super bitter aber als ich den letztes (oder vorletztes?) Jahr mit Tee-Freunden bei einem Treffen bei mir getrunken habe war der überhaupt nicht mehr bitter, absolut null! OK, dass Bitterkeit über die Jahre zu Süße wird und deshalb ein guter Blend mit Alterungspotential immer eine gewisse Bitterkeit haben sollte ist allgemeinhin bekannt aber da es sich bei dem Tee nur um die bittere Variante des LME-Materials handelt fehlt der Textur-Part, den das süße LME-Material normalerweise mit sich bringt ganz immens - es macht also absolut Sinn, dass Laomane Tees immer ein Blend aus dem bitteren und dem süßen Material sind.

Aber ich schweife ab: toller Tee mit viel Potential - und eine gute Wahl für das frisch reparierte vintage Chaozhou Biandeng Kännchen: Ai Moliya hat auch hier ganze Arbeit geleistet!

Bewertung: 4- oder 5-Sterne

2025 Deng Shihai Banzhang Wild trockenes Blatt und Bing

2025 Deng Shihai Banzhang Wild Details trockenes Blatt

2025 Deng Shihai Banzhang Wild erster Aufguss

2025 Deng Shihai Banzhang Wild späterer Aufguss

2025 Deng Shihai Banzhang Wild Details Aufguss

2025 Deng Shihai Banzhang Wild deutlich späterer Aufguss

2025 Deng Shihai Banzhang Wild viel späterer Aufguss

2025 Deng Shihai Banzhang Wild Details nasses Blatt

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