- Kategorie: Pu'erh, Sheng
- Herkunft: China, Yunnan, Xishuangbanna, Menghai, Bulang, Laobanzhang
- Jahrgang: 2025
- Form: Bingcha, 250g
- Pu-erh.sk
Nach dem wunderbaren Tea Retreat in Rasa muss ich selbstverständlich die Tees nochmals zu Hause mit gewohntem Equipment (wobei mich auch meine beiden Antiken Kännchen in die Schweiz begleiten durften) und vor allem gewohntem Wasser probieren - gerade letzteres ist definitiv mit ein Faktor, welcher die Tees anders erscheinen ließ (abgesehen von dem Ort an sich, den Menschen mit denen man Tee trinkt, die Atmosphäre etc.). Den Anfang macht der teuerste Tee, den Peter je released hat: der Laobanzhang (老班章) - genau wegen des Preises hat sich Peter lange Jahre gegen einen LBZ entschieden, dieses Jahr aber ein guten Preis bekommen (zwar immer noch sehr teuer aber immerhin preiswerter also z.B. eine aktuelle Version von Yu). Die diesjährigen Wrapper stammen übrigens auch wieder von Milos Karasek - wie die letzten finde ich sie auch wieder sehr gelungen: zwar unerheblich für den Geschmack aber es ist doch einfach schön, wenn ein guter Tee in einem schönen Wrapper verpackt ist, der keine grausige Kollage oder stereotypisches Asiatik-Motiv zeigt. Für mich nach wie vor die schönsten Wrapper am Markt! Zum Ort muss ich sicher nicht viel sagen, daher starten wir direkt mit dem Tee an sich 😉
Wenig überraschend handelt es sich um schön große Blätter mit wie für die Bulang-Region typisch vielen silbernen Knospen, die ein schön frisches, knackiges Aroma mit leichten Röstnoten aufweisen. Letztere finden sich dann auch auf der Geschmacksebene wieder - wobei der Tee für einen LBZ überraschend zahm startet: die typische Bitterkeit ist zu beginn nur dezent vorhanden (mit meinem harten Quellwasser jedoch deutlich mehr als mit dem weicheren Wasser in Rasa) und gerade im ersten Moment wenn man einen Schluck nimmt hat es sogar etwas Zuckerwatte-Süßes an sich. Über den Verlauf der Session wandelt sich das dann mehrfach: mal sind mehr die Röstnoten im Vordergrund, mal die langsam stärker werdende Bitterkeit und dann auch wieder eine zitrusartige Frische - ein ganz schön komplexer Spannungsbogen auf der Geschmacksebene! Die Frage der Fragen ist aber natürlich: wie steht es um das Qi? Wie man sieht nutze ich mein antikes 30ml Zhuni und konnte trotzdem den selben Effekt wie im Rasa mit gerade einmal 3g Tee erzielen: ein wirklich mächtiges Qi, das direkt nach dem ersten Schluck im Kopf loslegt und dann über die Schläfen in den Körper abfließt und zu einem zwar eher angeregten aber leichten, gelösten Zustand führt - ganz anders als ein schwer-erdendes Qi wie beim Rareness 5. Sehr positiv ist auch, dass der Tee neben der bereits angesprochenen Komplexität auch ein sehr gutes Maß an Tiefe hat - meist ist das eher nicht so die Stärke von Bulang-Tees und auf jeden Fall ein ganz anderes Level an Power als der 2013er LBZ von Yu, der doch deutlich subtiler im Charakter ist (aber natürlich auch schon ein paar Jahre älter).
Was mich zu der Frage eines Tee-Freundes von vorgestern führt: welcher von beiden ist der bessere Tee und ist der LBZ den Mehrpreis wert? Die Antwort ist, dass man die beiden nicht wirklich miteinander vergleichen kann, da sie einen völlig unterschiedlichen Charakter haben: nicht umsonst werden Bulang-Tees auch Yao Cha (妖茶) genannt, was so viel wie "Dämonen-Tee" bedeutet, wohingegen Yiwu-Tees eher ein sanfter, femininer Charakter nachgesagt wird. Letzteres ist zwar bei einem wild-wachsenden Dschungel-Tee wie dem Rareness 5 nicht wirklich zutreffend, verdeutlicht aber was ich meine: man kann nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Beides absolut überragende, erstklassige Tees jedoch mit unterschiedlicher Zielgruppe - und beim LBZ muss man nun mal den Namen mitbezahlen, daher ist der Preis nur bedingt ein Indikator.
Bewertung: 6-Sterne, Favorit








