- Kategorie: Pu'erh, Sheng
- Herkunft: China, Yunnan, Xishuangbanna, Mengla, Miaojiu, Mangsheqing
- Jahrgang: 2025, Herbsternte
- Form: Bingcha, 250g (nur Sample vorhanden)
- Pu-erh.sk
Die Zeit verfliegt: es ist nun schon wieder 4 Wochen her, als wir uns bei einem guten Freund in Hessen zum Teetrinken getroffen haben (eigentlich wollte ich danach schon viel früher einen referenzierenden Post machen aber ich hab es einfach nicht geschafft) - Peter hatte unter anderem auch seine Herbst-Tees dabei und in diversen Parallel- und Blindverkostungen gab es die eine oder andere spannende Erkenntnis. So auch zum Thema Herbst-Material: bei den meisten (blinden!) Vergleichen wurde die Herbst-Version gegenüber der Frühjahrs-Version von den Teilnehmern bevorzugt - das erscheint zunächst vielen vermutlich unverständlich, da Herbst-Material (bei Pu'erh) zumindest im Westen keinen all zu guten Ruf hat. Allerdings muss man sagen, dass es hier ebenso wie beim Frühjahrs-Material große Qualitätsunterschiede gibt: wenn man nur die eindimensionalen, langweiligen Herbst-Shengs von YS und Co kennt, dann ist es klar, dass man Vorbehalte gegenüber Herbst-Tees hat - aber Peter's Tees spielen hier wie schon öfters angesprochen auf einem ganz anderen Level. Sie haben ebenso wie die Frühjahrs-Tees Tiefe und Energie und - das ist der entscheidende Punkt - sind oft zugänglicher, als die Frühjahrs-Versionen davon: vor allem auf der Geschmacksebene kommen sie voller daher, gestützt durch eine samtigere Textur wenn auch mit etwas mehr Adstringenz aber gerade bei etwas kräftigeren Tees macht das nichts aus. Die Frühjahrs-Versionen sind geschmacklich da oft etwas zarter und "grüner" unterwegs: während man bei den Herbst-Versionen häufig schöne Frucht-Noten im "orangenen" Spektrum (gemeint damit ist ein eher warmes und weiches Gefühl wie Pfirsich) findet, die mit breiter Brust auftreten, sind es bei den Frühjahrs-Versionen eher leichtere, "kühlere" Noten (ein frisches Gefühl wie bei Zitrusfrüchten) Richtung Umami und Bitterkeit, die deutlich ätherischer wirken, was definitiv an der anderen Textur und weniger Adstringenz liegt. Dafür haben diese meist (auch auf diesem Qualitätslevel) etwas mehr Power und eine höhere Viskosität - dazu hatte ich mich erst kürzlich mit einem Tee-Freund unterhalten, dass Viskosität und Textur nicht das selbe sind: man kann die Viskosität als Teil der Textur betrachten (und das tue ich in der aktuellen Version 2.0 meines Pu-Charts auch), Textur beinhaltet jedoch noch mehr (z.B. das samtige Gefühl wie bei Bulang-Tees häufig anzutreffen), was nichts mit der Viskosität zu tun hat. Wenn ich z.B. davon spreche, dass man die Textur regelrecht sehen kann (anhand von langanhaltenden Bläschen, siehe hier), dann spreche ich im Grunde von der Viskosität. Naja, jedenfalls haben beide Versionen ihre Vor- und Nachteile und eigenen Charakter - an der Stelle sei auch nochmals darauf hingewiesen, dass Deng Shihai (鄧時海) bei seinen Tees in der Tradition der alten Vorbilder immer Herbst- und Frühjahrsmaterial mischt, weil so beide Aspekte im Tee vorhanden sind und über die Jahre für ein besseres Reifungsbild sorgen sollen, wie wenn man nur entweder Herbst oder Frühjahr verarbeitet (siehe Post zum 2025er Banzhang Wild), was ja eher ein "neueres" Phänomen ist, das im Zuge der Boutique-Tees (also ab der Jahrtausendwende) aufgekommen ist.
Aber nun zum konkreten Tee: er ist ein schönes Beispiel für die oben beschriebenen Unterschiede - im Vergleich zur Frühjahrs-Version ist die Herbst-Version mit voller Frucht auf den ersten Schluck doch deutlich zugänglicher und offener, ohne jedoch Qi und Tiefe zu vernachlässigen. Hier spielt sicher auch mit rein, dass es sich beim Mangsheqing um Gaogan-Material handelt: das sorgt meist für mehr Tiefe und einen "wilderen" Charakter - wobei interessanterweise bei den Mangsheqing Tees von Peter (und bislang waren alle Gaogan-Tees) der "Gaogan-Effekt" entweder weniger krass ist, als bei den Rareness 5 Tees (siehe die "Leere" beim 2021er Rareness 5 v2 und in geringerem Maße auch beim 2022er Rareness 5 Gaogan vs die "normale" Gushu-Version des 2022er Rareness 5) oder aber das Gushu-Material von Mangsheqing ein absoluter Hammer sein muss. So oder so: ein wirklich sehr schöner Tee mit einem hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis - andernortes würde ein Tee von diesem Kaliber deutlich mehr kosten!
Bewertung: 5- oder 6-Sterne







