• Kategorie: Pu'erh, Sheng
  • Herkunft: China, Yunnan, Xishuangbanna, Mengla, Yiwu
  • Jahrgang: 2006
  • Form: Zhuancha, 540g (nur Sample vorhanden)
  • genauer Produzent unbekannt (via Tea Mountain)

Zunächst einmal die Informationen zu dem Tee: der genaue Produzent ist leider unbekannt aber klar ist, dass es sich um einen Yiwu Regionsblend aus dem Jahr 2006 handelt, gepresst zu einem 540g Ziegel. Leider bietet auch die Abbildung des Wrappers nur bedingt Informationen:

  • Yunnan (雲南)
  • Daye Yiwu (大葉易武), also Tee aus Yiwu von der großblättrigen Variante
  • Pu'erh Cha Zhuan (普洱茶磚), Pu'erh Tee-Ziegel
  • Jingzhong 540 ke (净重540克), Nettogewicht 540g
  • Zhongguo tuchan xuchan junchukou gongsi Yunnan sheng cha ye fen gong ke (中國土產畜產進出口公司雲南省茶業分公可), frei etwa "von offizieller Stelle abgesegnet" (China native agricultural products import and export corporation Yunnan province Tea company branch official approved)

Bei dem "Hou" im Namen des Tees im Shop, was sich nicht auf dem Wrapper wiederfindet, muss man ohne Hanzi schon etwas raten, möglich wäre aber dass einfach "dick/groß" gemeint ist, denn 540g sind schon ein dicker Brocken - was der Zusatz "San sheng zhuan" zu bedeuten hat ist mir jedoch nicht klar - Sheng und Zhuan natürlich schon aber was das "san" soll ist ohne Hanzi nicht nachzuvollziehen (es könnte z.B. drei, Regenschirm, verstreut uvm. bedeuten). Naja, bleibt die Betrachtung des trockenen Blatts: ziemlich grobes Material mit diversen Ästen, für einen Brick typisch fest gepresst aber zum Glück kein kleingehackter Abfall - natürlich entsteht bei fest gepresstem Tee beim Lösen einiges an Bruch aber das Ausgangsmaterial ist für einen klassischen Brick sehr schön. Im Shop wird zwar geschrieben, dass der Tee in Tee-Foren heiß diskutiert wird, aber ich höre zum ersten mal von ihm - um so überraschender ist die sehr dominante Rauchigkeit, die im Shop überhaupt nicht erwähnt wird (außer das verbirgt sich eigentlich hinter der sehr netten Übersetzung "Wind im Mund"). Diese gibt dem Tee einen tollen "old school"-Charakter - sofern man denn auf Rauchnoten steht, ansonsten wird man diesen Tee hassen. Das ist vermutlich auch ein "acquired taste", mit dem es sich bei mir ähnlich verhält, wie bei anderen mit der Vorliebe für 7542er, was Matt kürzlich beschrieben hat: ich hatte nie groß Kontakt zu den klassischen Nummern-Rezepten der großen Factories, da es in Europa (und Deutschland im besonderen) nicht die von Matt beschriebene Tee-Kultur gibt/gab (Ostfriesen-Tee zähle ich hier mal nicht mir, das ist etwas anderes), wo es an jeder Ecke Teehäuser gibt, die einen 7542 (Fake oder Original) anbieten. Aber ich bin schon relativ "früh" an zwei Shengs geraten, die auch sehr rauchig sind/waren: den 2015 Xiaoshu Lincang von prSK und den 2014 YunYun von EoT. Beide habe ich zu einer Zeit kennengelernt, wo ich mich nach dem initialen Zurechtfinden in der Teewelt so richtig in den Pu-Kaninchenbau gewagt und von Sampels zu Bings übergegangen bin - entsprechend viel habe ich diese beiden Tees auch getrunken (und trinke sie noch immer gerne!).

Jedenfalls ist das faszinierende an dieser Rauchigkeit, dass sie trotzdem etwas ganz neues ist: keine Aschenbecher-Rauchigkeit wie bei schlechten Factory-Shengs, keine Lagerfeuer-Wildniss-Rauchigkeit wie bei den beiden von prSK und EoT, keine "Räucherfrüchte" wie bei dem tollen 2011er Yiwuzhengshan Dashu Tea Green Tree und auch kein Räucherwerk wie bei dem 2005er Bulang Shan Traditional Old Tree sondern eine sehr erdige Torfigkeit, die (zumindest dem Geruch nach) stark an torfige Whiskeys oder einen Erdofen in lehmigen Boden erinnert, klasse! Und genau diese Torf-Note findet sich auch im Geschmack wieder: bei einer starken Dosierung ist das schon sehr sehr derb, eine Süße lässt sich zu Beginn allenfalls erahnen. Der Tee startet geschmacklich mit viel Rauch, der an etwas warmer Erde zu haften scheint, der im laufe der Aufgüsse nur leicht nachlässt aber zunächst durch eine trockene Holzigkeit und später dann tatsächlich auch durch eine leichte Süße ergänzt wird (man kann die Entwicklung auch schön an der parallel heller werdenden Aufgussfarbe verfolgen) - interessanterweise ist die Textur des Tees aber in Kontrast zum derben Geschmack angenehm weich (was zugegeben besser raus kommt, wenn man ihn etwas leichter dosiert). Dazu kommt ein schönes, für Factory-Tee durchaus als stark anzusehendes Qi, das zwar eher kopflastig ist, zusammen mit dem Phänomen, dass die Rauchigkeit zunächst schwer an der Keramik haftet und schließlich den ganzen Raum ausfüllt, eine sehr angenehme, nostalgische Stimmung erzeugt.

Auch wenn ich die Blattqualität für einen Factory-Brick als überdurchschnittlich einstufen würde, ist es klar die Torf-Note in ihren verschiedenen Facetten, die den Tee zu etwas so besonderem macht und auch wenn ich immer sage, dass mir die Energie bei einem Sheng wichtiger ist als der Geschmack, deutlich für Pluspunkte sorgt. Ein Tee, den man entweder hasst oder liebt - und bei mir ist es eindeutig letzteres.
Bewertung: 5-Sterne

20220129_081758 trockenes Blatt

2006 Yiwu Daye Hou Sheng Zhuancha trockenes Blatt

2006 Yiwu Daye Hou Sheng Zhuancha erster Aufguss

2006 Yiwu Daye Hou Sheng Zhuancha zweiter Aufguss

2006 Yiwu Daye Hou Sheng Zhuancha dritter Aufguss

2006 Yiwu Daye Hou Sheng Zhuancha Vergleich 2. und 5. Aufguss

2006 Yiwu Daye Hou Sheng Zhuancha späterer Aufguss

2006 Yiwu Daye Hou Sheng Zhuancha deutlich späterer Aufguss

2006 Yiwu Daye Hou Sheng Zhuancha Details nasses Blatt

Nächster Artikel Vorheriger Artikel