• Kategorie: Pu'erh, Sheng
  • Herkunft: China, Yunnan, Xishuangbanna, Mengla, Yiwu, Guafengzhai, Chawangshu
  • Jahrgang: 2021
  • Form: Bingcha, 200g
  • Tea Encounter

Nach dem Yishanmo (一扇磨) ist der Chawangshu der Tee, der mich bei den 2021er Shengs von Tiago am meisten interessiert: zum einen weil mir die Xiaoshu Version letztes Jahr bereits gut gefallen hat und zum anderen weil Chawangshu (茶王树) das berühmteste Anbaugebiet von Guafengzhai (刮风寨) ist, von dem ich auf Grund der Nachfrage bislang kaum Tee hatte (abgesehen von dem 2020er Xiaoshu lediglich ein Sample im Rahmen des EoT Tea Clubs in 2015, was aber sehr gut war).
Es lassen sich auf jeden Fall klare Parallelen zu der Xiaoshu-Version und Tiagos ruhigen, cleanen Stil erkennen (der mich etwas an die jüngeren Shengs von Yu erinnert, zumindest die, die ich bislang kenne), jedoch überall um eine Größenordnung intensiver (ist aber natürlich auch preislich drei mal so teuer). Es dominiert auch hier (wie für GFZ typisch) eine sehr schöne Süße, die kein bisschen billig wirkt - im Gegensatz zum 2020er Xiaoshu, wo sie mich etwas an Zuckerwatte erinnert hat, ist sie hier aber "substantieller" und vor allem zu Beginn mit einer tollen wenn auch dezenten Fruchtigkeit, so dass hier eher der Eindruck von frischem Fruchtkompott entsteht. Das nasse Blatt hat zudem einen etwas kernigen Duft, der mich entfernt an Porridge erinnert aber gut zum Fruchtkompott passt - auf der Geschmacksebene äußert sich dieser eher durch eine leicht nussige Komponente. Die Textur ist super weich und geschmeidiger - hier empfiehlt sich wirklich ein Schälchen, welches das begünstigt wie z.B. die wunderbare Madara-Karatsu Guinomi von Mike Martino. Soweit so gut: weich, süß und sehr ruhig klingt nach einem guten Yiwu und passt auch genau in das Bild, das ich von Guafengzhai Shengs habe - etwas überraschend ist allerdings das Qi. Es ist die komplette Antithese zu dem, was ich von einem Top-Yiwu wie dem 2019er Rareness 5 von prSK oder dem 2020er Unicorn von W2T (ja, wenn mal kein seltsamer regionsübergreifender Blend gemacht wird hat auch Paul durchaus tolle Tees) erwartet hätte: es ist genau dieser "slab in the face", von dem Paul beim Unicorn sagt, dass es dort NICHT der Fall ist. Bei den ersten 3 Aufgüssen fühlt es sich an als ob von der Nase aus ausgehend das Gesicht schmilzt und gegen ein Brett gedrückt wird - sehr intensiv, aber nicht undbedingt entspannend - wobei die Wirkung aber nur sehr kurz anhält und sich dann im Nasen- und Wangenbereich verteilt und bis zum nächsten Aufguss auflöst (grafisch dargestellt könnte man die Wirkung des Qis ähnlich wie bei dem 2013er Kuzhushan (苦竹山) als Sinuskurve mit großer Amplitude und kleiner Periode beschreiben). Ab dem vierten Aufguss wird das Qi ein klein wenig dezenter aber der "Brett vor dem Kopf"-Charakter bleibt bis zum Schluss - schade ist jedoch, dass die Wirkung des Qis im Gegensatz zu den beiden Referenz-Yiwus nicht sonderlich lange anhält und da insgesamt nicht ganz so entspannend schrammt der Tee knapp an einer Bestwertung vorbei. Das Thema Qi ist aber (wie schon öfters gesagt) natürlich extrem subjektiv und volatil, da von zu vielen Faktoren abhängig: kann gut sein, dass das Erlebnis bei so einem "Schietwetter" heute ein ganz anderes ist, wie wenn es ein warmer, sonniger Tag wäre ... so oder so ein sehr kraftvoller Tee in Punkto Energie, was in Kontrast zum sonst sehr milden Yiwu-Erlebnis steht!
Bewertung: 5- oder 6-Sterne

2021 Chawangshu Gushu (TE) trockenes Blatt und Bing

2021 Chawangshu Gushu (TE) Details Bing

2021 Chawangshu Gushu (TE) erster Aufguss

2021 Chawangshu Gushu (TE) zweiter Aufguss

2021 Chawangshu Gushu (TE) dritter Aufguss

2021 Chawangshu Gushu (TE) späterer Aufguss

2021 Chawangshu Gushu (TE) deutlich späterer Aufguss

2021 Chawangshu Gushu (TE) viel späterer Aufguss

2021 Chawangshu Gushu (TE) noch späterer Aufguss (und der Tee macht auch nach 2h noch nicht schlapp)

2021 Chawangshu Gushu (TE) Details nasses Blatt

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