• Kategorie: Pu'erh, Sheng
  • Herkunft: Thailand, Chiang Mai
  • Jahrgang: 2000
  • Form: Bingcha, 357g (nur Sample vorhanden)
  • Dao Jian Zhong (†, bis 2019 Leiter von Ming Ding) via Tee-Kontor-Kiel

Ein Tee mit wirklich Geschichte dahinter! Absolut wissenswert, daher hier ein Zitat von Gelis Produktbeschreibung:
Der Produzent Dao Jian Zhong hat selbst nie seinen Namen auf seine Tees geschrieben. Er wurde 1930 in Pu'Er, Provinz Yunnan, China geboren und erlebte den Untergang der traditionellen Pu-Erh Produktionsstätten in China, gefolgt von der Übernahme der kommunistischen Machthaber. 1956 desertierte er aus der Armee und floh nach Laos und später nach Thailand, wo er in der Provinz Chiang Mai anfing, für die legendäre Teefabrik Hong Tai Chang zu arbeiten. Diese war selbst ursprünglich von chinesischen Auswanderern gegründet worden und hat nach der Schließung ihrer chinesischen "Mutterfabrik" eigenständig die alten Traditionen aufrecht erhalten. Dao Jian Zhong hat in diesem Geiste viele klassische Pu Erh Tees in Perfektion nachgeahmt und mit den originalen Labels und Nummern der alten berühmten Produzenten aus China versehen. Nach der Schließung der Hong Tai Chang Fabrik in den 1990ern leitete er bis zu seinem Tod im Jahre 2019 die kleine Fabrik Ming Ding, die seither sein und das Erbe von Hong Tai Chang weiterführt.

Nun zum Tee an sich: das nasse Blatt hat einen intensiven Petrichor-Duft, mehr Geosmin als bei den meisten Tees die ich seit längerem hatte - und trotzdem wirkt der Tee sehr sauber, kontrollierte Reifung statt wilder Kompost. Geschmacklich startet der Tee mit schön pilzig-brotigen Noten mit subtiler Süße, eher Dezent und weich. Letzteres ist definitiv ein Hauptmerkmal des Tees: ein ruhiger und weicher Charakter macht den Tee ideal für eine stille Session. Er hat zwar nicht die Power des 2020er Chafang Danzhu von prSK aber trotzdem wirkt er schön entspannend, auch wenn sich das Qi nicht klar fassen lässt. Die Geschmacksebene wird primär von einer variablen Süße dominiert - bleibt aber insgesamt sehr wandelbar: wenn die pilzigen Noten der ersten Aufgüsse verschwinden kommt in den mittleren Aufgüssen eine leicht saure Röstnote (nicht unangenehm!) zu tragen, die mich an Kaffee erinnert. Und auch der Duft des nassen Blattes ändert sich: so wie Petrichor nur zu Beginn des Regens wahrnehmbar ist und dann beispielsweise der Duft von nassem Laub zu tragen kommt, so lässt er auch hier nach und neben nassem Laub kommt warmes Holz und sauberer Gewölbekeller zum Vorschein. Alles aber immer recht dezent - im Gegensatz zu dem Chiang Rai Maocha von gestern, wo die Vorzüge leicht erkennbar und offensichtlich sind muss man hier schon genauer hinhören. Die Erfahrungen mit den Thailand-Shengs von Peter haben sich hier definitiv bezahlt gemacht, denn der Tee passt wie diese ebenfalls nicht in die von chinesischen Shengs vertrauten Qualitäts-Kriterien (Sauberkeit ausgenommen) - und trotzdem ist er richtig gut!
Bewertung: 5-Sterne

(Hinweis: die initiale Bewertung der Thailand-Shengs von Peter ist nicht direkt mit der Bewertung hier vergleichbar, weil dort noch die Lernkurve einberechnet ist - bei Gelegenheit werde ich diese aktualisieren!)

2000 "Dao Jian Zhong" Qin Bing trockenes Blatt

2000 "Dao Jian Zhong" Qin Bing erster Aufguss

2000 "Dao Jian Zhong" Qin Bing zweiter Aufguss

2000 "Dao Jian Zhong" Qin Bing dritter Aufguss

2000 "Dao Jian Zhong" Qin Bing spätere Aufguss

2000 "Dao Jian Zhong" Qin Bing deutlich späterer Aufguss

2000 "Dao Jian Zhong" Qin Bing noch späterer Aufguss

2000 "Dao Jian Zhong" Qin Bing Details

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