- Kategorie: Pu'erh, Sheng
- Herkunft: Thailand, Chiang Mai
- Jahrgang: 2000
- Form: Bingcha, 357g
- Ming Ding via Puerh.pl
(Original 21.05.2022)
Der Tee stammt aus dem selben kleinen Laden (Ming Ding) in Thailand, von dem Dao Jian Zhong bis 2019 der Leiter war - somit hat er die selben Lagerbedingungen wie der tolle 2000er Dao Jian Zhong Qin Bing erfahren, wurde jedoch aus weniger hochwertigem Material hergestellt, weshalb er auch nur die Hälfte kostet. Davon abgesehen sind sich die beiden Tees auf den ersten Blick sehr ähnlich: beide bestehen aus sehr schönem Blattgut, das größtenteils recht locker gepresst ist und durch die feuchte Thailand-Lagerung einen gewissen grauen Schimmer erhalten hat. Dao Jian Zhong, der unter Hong Tai Chang gelernt hatte, hat wohl bewusst den etwas derberen Old School Charakter der früheren Qi Zi Bingchas (Infos dazu gibt es in dem Blog-Post von Olivier Schneider) fortgeführt, was mir persönlich sehr zusagt.
Jedenfalls ist schon beim Aroma des nassen Blatts die enge Verwandtschaft unverkennbar: Petrichor, Geosmin und Kompost ergeben die selbe schwer-süße Grundnote, wenn auch etwas weniger stark ausgeprägt. Auch auf der Geschmacksebene ist der Tee insgesamt etwas leichter und zurückhaltender bis auf in einem Punkt: er ist deutlich adstringenter - das Blatt wirkt nach ein paar Aufgüssen auch noch deutlich grüner. Erfreulicherweise wirkt die Adstringenz hier nicht unangenehm - kaum Tendenz ins Saure, wie bei dem anderen Tee nur temporär - sondern verstärkt den Eindruck einer gewissen Leichtigkeit und hinterlässt eine dezente Schärfe auf der Zunge, was für einen offensichtlich gut gereiften Sheng von über 20 Jahren durchaus bemerkenswert ist - durch diese Leichtigkeit wirkt er irgendwie "heller". Zugegeben gefällt mir der Dao Jian Zhong Qin Bing auf Grund von mehr Komplexität, Tiefe und Intensität besser - aber da der sehr spezielle Charakter auch hier in ausreichendem Maße vorhanden ist, macht auch dieser Tee Spaß und ist ein schöner Aged Sheng der sich trotz Material von vermutlich jüngeren Bäumen gut trinken lässt - und das zu einem unschlagbaren Preis.
Bewertung: 4-Sterne
(Update 16.03.2025)
Nach dem GFZ gestern ist heute ein Tee mit 11 Jahre älterem Material (der GFZ wurde zwar in 2016 gepresst, das Material stammt aber von 2011) zu Testzwecken im ROC Kännchen - dazu ein eher ungewöhnlicher da es nicht so viele aged Thai Sheng gibt (zumindest hab ich noch nicht all zu viel gefunden 😅): mit seiner Petrichor-Note bin ich bereits im Vorfeld davon ausgegangen, dass Tee und Kännchen vermutlich gut zusammen passen, da eine Petrichor-Note für einen echten Yanncha essentiell ist und das Kännchen viel davon bei seinem vorherigen Besitzer gesehen hat … und ich wurde nicht enttäuscht! Auch hier kommt gerade zu Beginn die Bitterkeit stärker zur Geltung, als ich sie bei dem Tee in Erinnerung habe - der höher gebrannte Ton in Verbindung mit der kugeligen Form sorgt hier wohl durchaus für ein stärkeres Extraktionsverhalten. Passt man Temperatur oder Aufgusslänge etwas an ergibt sich aber auch hier wieder ein Tee mit toller, schwerer Textur wo die Session Spaß macht, obwohl es kein High-End Material ist. Übrigens Spannend: nachdem ich mir einen Bing gekauft hatte, hat sich die initiale Vermutung des Samples, dass der Tee nicht all zu fest gepresst ist nur halb bewahrheitet: die obere Schicht lässt zwar in der Tat gut lösen, darunter merkt man dann aber dass die Pressung durchaus ordentlich ist - nicht so krass wie bei den 2022er und 2023er Thai Sheng von Peter aber dennoch nicht von schlechten Eltern. Zwischenfazit: sowohl aged als auch semi-aged Sheng geht gut in dem Kännchen!
















