• Kategorie: Pu'erh, Sheng
  • Herkunft: China, Yunnan, Xishuangbanna, Mengla, Yiwu, Guafengzhai
  • Jahrgang: 2011, gepresst 2016
  • Form: Bingcha, 200g (nur Sample vorhanden)
  • Private Produktion via Puerh.uk

Nachdem ich schon seit längerem Puerh.uk beobachte habe ich mich zu Weihnachten dazu entschlossen, endlich auch mal etwas zu bestellen - an die taiwanesischen Boutique-Marken (primär Chenyuan Hao aka CYH und Bi Yun Hao aka Yun Hao (碧云号), zu Deutsch 'Jade Wolken Marke', Boutique-Marke für High-End Puerhproduktionen, Taiwan">BYH) kommt man in Europa (geographisch gesehen zumindest) ja leider kaum ran. Es wird in Zukunft also noch etwas mehr Tees aus der Ecke zu besprechen geben. Paolo teilt die Tees in verschiedene Qualitätsstufen ein - in der höchsten (Tier 5) ist mir ein Tee besonders ins Auge gefallen: der 2016er "Gold Mark" Guafengzhai. Dieser stammt von keiner der genannten Boutiquen sondern es handelt sich um eine private Kleinstproduktion von einem nicht näher genannten Produzenten - wobei das Maocha von 2011 ist und somit erst nach 5 Jahren trockener Taiwan-Lagerung zu Bings gepresst wurde. Diese sind nun als nett einzeln verpackte Viertel zu haben (oder auch als kleinere Samples) - da GFZ eine meiner absoluten Lieblings-Regionen ist und es sich bei dem besten GFZ den ich kenne ebenfalls um eine private Kleinstproduktion ohne große Namen und fancy Wrapper handelt, hab ich hier nicht lange gezögert und ein Kuchenstück bestellt - damit legen wir gleich zu Beginn mal eine Referenz fest ;-)
Das trockene Blatt ist wunderschön - groß, dunkel und kräftig - noch einen etwas grüneren Schimmer als der 2003er GFZ aber da liegen auch immerhin (je nach Rechnung) 8/12 Jahre dazwischen! Und bereits das Aroma des nassen Blatts sagt absolut unmissverständlich, dass es sich um GFZ handelt: die für GFZ typische Kernigkeit ist sehr klar vorhanden und da der Tee auch schon ein paar Jahre hinter sich hat geht es in eine angenehme Vollkornbrot-Richtung, allerdings noch zusammen mit einer guten Portion Fruchtigkeit (desto älter ein GFZ desto mehr Brot und desto weniger Frucht). Das sind auch die bestimmenden Faktoren auf der Geschmacksebene - wobei gegenüber dem 2003er noch etwas mehr Bitterkeit und eine minimale Adstrigenz vorhanden ist (irgendwo muss sich ja die Jugend bemerkbar machen!) - aber vor allem in den ersten ~5 Aufgüssen zeigt sich auch eine ungewöhnlich pilzige Note: schön saftig, Richtung Shiitake und nicht aufdringlich bereichert sie den Tee definitiv, auch wenn sie nichts mit GFZ zu tun hat. Ob diese etwas mit dem Fakt zu tun hat, dass das Maocha erst nach 5 Jahren gepresst wurde? Prinzipiell bin ich ja kein großer Fan von dieser Praxis, da das oft den Tee "undurchsichtiger" im Charakter macht oder, wenn der Abstand zwischen Ernte und Pressung zu groß ist, zu einer eigentümlichen Trockenheit führen kann - beides ist hier jedoch glücklicherweise nicht der Fall. Wie auch immer: sie macht den Tee interessanter und gibt ihm noch mehr Charakter, als ein reinblütiger GFZ ohnehin schon hat - ohne jedoch das Gleichgewicht des Tees zu stören, denn ein idealer GFZ ist (zumindest nach ein bisschen Reifung) vor allem bodenständig, ausgewogen und doch voller Kraft und Tiefe. Kraft in Form eines intensiven aber sanft wirkenden Qis hat dieser Tee jedenfalls reichlich - dazu eine kleine Anekdote: den Tee hatte ich vor zwei Wochen beim Besuch eines guten Tee-Freundes dabei - kurz nach meiner Ankunft (nach längerer Fahrt) kam noch ein weiterer Besucher hinzu, der nichts mit Tee am Hut hatte. Nach einem ordentlichen Käsebrot zur Stärkung lies er sich jedoch zu einem Tee überreden - da schien mir der GFZ eine sichere Wahl, da ich kein einzigen der Tees kannte, von denen ich Samples dabei hatte: wenn ein Referenz-GFZ nichts taugt, dann taugt auch alles andere nichts. Da es sich aber wie beschrieben um einen absolut erstklassigen Sheng handelt (nach dem 2003er GFZ definitiv einer der besten GFZ), wurde eine gemütliche Teerunde zu Dritt daraus (wobei unser Mit-Trinker tapfer bis zum Schluss durchgehalten hat!) und da jeder am Tisch deutlich das Qi wahrnahm entwickelten sich auch interessante Gespräche rund um das Thema Qi (nicht nur im Bezug auf Tee) ... und alte Männer beim Saunieren aber letzteres tut hier nichts zur Sache ;-)
Bewertung: 6-Sterne, Favorit

2016 Gold Mark Gua Feng Zhai trockenes Blatt und Kuchenstück

2016 Gold Mark Gua Feng Zhai Details trockenes Blatt

2016 Gold Mark Gua Feng Zhai erster Aufguss

2016 Gold Mark Gua Feng Zhai zweiter Aufguss

2016 Gold Mark Gua Feng Zhai Details Aufguss

2016 Gold Mark Gua Feng Zhai dritter Aufguss

2016 Gold Mark Gua Feng Zhai späterer Aufguss

2016 Gold Mark Gua Feng Zhai so langsam bekommt auch das Zhao Zhuang Zhuni einen schönen Glanz

2016 Gold Mark Gua Feng Zhai deutlich späterer Aufguss

2016 Gold Mark Gua Feng Zhai viel späterer Aufguss

2016 Gold Mark Gua Feng Zhai Details nasses Blatt

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