• Kategorie: Pu'erh, Sheng
  • Herkunft: Thailand, Mae Suai, Wawee
  • Jahrgang: 2025
  • Form: Bingcha, 250g
  • pu-erh.sk

Dieser Tee ist Kunst.
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Eigentlich ist damit alles gesagt und ich könnte den Post dabei belassen aber da der Interpretationsspielraum in dem Fall doch etwas zu groß ist, führe ich etwas genauer aus, was ich damit meine 😅
Der eine Teil der Aussage ist recht leicht nachzuvollziehen, da der Tee bzw. der Wrapper im sprichwörtlichen Sinne Kunst ist: Milos Karasek, ein Freund von Peter den ich bei einem Besuch 2019 in der Slowakei auch kennen lernen durfte, hat jeden Wrapper einzeln mit einer einzigartigen Zeichnung versehen - kein Print sondern direkt auf dem Wrapper (keine Sorge, der Bing ist doppelt gewrappt, es hat also nichts auf die Teeblätter durchgefärbt) inkl. Unterschrift. Das ist schon next level - ich habe schon seit dem mind/switch von letztem Jahr (und den nachfolgenden Tees) wo Milos die Wrapper gestaltet hat eine Affinität zu diesen Wrappern aber das waren "nur" Prints - hier hat man ein Original in den Händen. Und das passt einfach wie die Faust aufs Auge zu diesem Tee: besonderes Material von einem einzigen uralten Baum (ich hatte kürzlich schon mal darüber geschrieben, dass Danzhu für mich das Maximum an Lokalität/Einzigartigkeit darstellt und daher am spannendsten ist), weshalb es davon auch lediglich 10 Bings gibt - und so einzigartig wie der Tee ist je Bing auch der Wrapper. Diese Art von Exklusivität ist einfach stimmig, ohne einen auf Luxus-Proll zu machen: kein Gold, kein Bling-Bling, kein Name voller Pathos oder aufwändige Dose/Verpackung - schlicht, elegant und doch besonderer als alle anderen Tees out there. Peter schreibt im Shop dazu:

About the bing cover: Recently my friend Miloš started to publish his short haiku poems with his drawings on IG under account @milos_karasek_artist I must say I like these drawings very much. They are so … I can’t even say what, out of this world. Silent and at the same time full of life. I thought to ask him to draw some on 10 puerh cakes that happened to be this year without graphics. He agreed to do so and was glad send out to the world a few swallows. And what the pictures mean someone asked me. They are representing our realities we create for our selves. As Don Miquel Ruiz says, we create, we live/create our own dreams. The drawings are like our dreams, the birds, the swallows represent our souls, the people are us, she, he, they, we live here a moment, together, alone then we fly to further existence. The tea packed in this paper with a drawing lived many centuries, many generations of us so drinking it is like experience the 1000 years of life experience. Once the tea is drunk the paper packaging with a drawing is left, will be wrinkled as our face after this life but still you can take it to a picture framing workshop and ask to have it streched and put into a frame. Each of these drawings are drawn on cakes itself. A pretty delicate and hard work taking into account that there was no space for and error, the surface of the paper is not even so that the cake. All 10 came well.

Der zweite Teil der Aussage bezieht sich auf den Charakter des Tees und bedarf etwas mehr Erklärung, denn oberflächlich betrachtet ist der Tee nichts besonderes: etwas bitter, wirkt etwas älter für das, dass er noch ganz frisch ist, sonst absolut unauffällig - keine ausgefallenen Geschmacksfacetten wie die Minzigkeit von einem Bingdao, keine Einsteigerfreundliche Süße wie bei einem Yiwu, keine ausgeprägte samtige Textur wie bei einem Laomane und das Qi schleicht sich auch eher ein und haut einen nicht direkt von den Socken wie bei einem Laobanzhang ... und doch stellt der Tee sie alle in den Schatten! Um das zu verstehen zeige ich mal eine Metapher auf:
Samstags nachdem ich im Atelier war und daher verschwitzt und verstaubt (die Arbeit am Stein macht nun mal Dreck) bin, gehe ich mit Frieda in meiner Heimat aus der Kindheit (eine kleine Forstarbeitersiedlung im Tal kurz bevor es in den Wald geht) den Hang über die Streuobstwiesen zum Waldrand hoch, genieße die Spätsommer-Sonne am Abend, nasche ein paar Schlehen auf dem Weg und blödel ein bisschen mit Frieda herum, die sonst macht was Hunde halt so machen wenn man sie lässt (zumindest bei diesem Hund heißt das mal in jenem Gebüsch gruschteln, über diese Wiese rennen und nach ausgiebigem Schnüffeln wieder angaloppiert kommt um zu schauen was ich in der Zwischenzeit so mache). Es ist nicht zu warm oder zu kalt sondern genau richtig - weit und breit kein Mensch zu sehen, denn wen interessiert schon irgend eine verschlafene Sackgasse am Waldrand wo es weder Sehenswürdigkeiten gibt, zu denen die Massen pilgern um Selfies zu machen noch irgendwelche hippen Caffees wie in einem trendigen Standteil wie Hongdae, bei denen man dank TikTok-Trends stundenlang anstehen muss. Schlehen sind herbes Zeug, vor allem wenn noch nicht ganz reif - keine überschwängliche Süße und nicht so hübsch anzusehen wie exotische Früchte aber so voller Kraft, dass man förmlich schmecken kann, wie viel "Anstrengung" die Pflanze das Jahr über investiert hat, um diese kleinen, unscheinbaren Früchte zu bilden. Und Frieda? Sie macht sich die Pfoten dreckig und zeigt keine Zirkus-Kunststückchen oder klebt dauerhaft an meinem Bein wie auf Instagram zu sehen, kein Kommando und kein Training sondern nur echte Verbundenheit. Wir sind ganz bei uns, zusammen ganz im hier und jetzt - die Sorgen und Probleme des Alltags sind weit weg ebenso wie die deprimierend Nachrichten aus aller Welt wenn der Verbrecher aus Amerika mal wieder mit irgend einem "Deal" versucht sich persönlich zu bereichern (auf Kosten aller anderer inkl. seiner Wähler) oder der Nazist aus Russland weiter an einem sinnlosen Krieg festhält, nur um den (scheinbar) starken Mann zu markieren, was außer seinem Ego eh niemanden interessiert und dafür das Leid unzähliger in Kauf nimmt - es gibt keine Ziele zu erreichen, niemanden zu beeindrucken und außer dem gemeinsamen Laufen im Grunde nichts zu tun/sehen. Nichts ist in irgend einem Sinn außergewöhnlich, erwähnenswert oder besonders - und doch sind das die wertvollsten Momente in meinem Leben, denn hier erfahre ich eine autarke Seelenruhe, die dem stoischen Ideal der Ataraxie am nächsten kommt und in einem Alltag leider Seltenheitswert haben, da dieser geprägt ist von Sorgen und Problemen (denn für alles in dieser oberflächlichen Gesellschaft, wo die Menschen nur aufs Äußere und aufs Bankkonto schauen, braucht man Geld und jeder ist rücksichtslos nur auf den eigenen Vorteil bedacht), Zielerreichung und Termindruck (im Beruf), Overthinking und Medien und Menschen die einem teils vollkommen widersprüchliche Dinge sagen, die man zu tun und lassen hat, sonst ist man ein schlechter Hundehalter, ein Langweiler, eine Lauch, ein Anti-Feminist, ein Geschlächtsverräter oder was auch immer.
Und diese ruhige, zufriedene gelöste Stimmung vermittelt mir dieser Tee - solch ein Charakter in Form zu Pressen - die übrigens ähnlich wie die Schlehen ebenfalls etwas unansehnlich ist, irgendwie ist der Bing kleiner als ein 200g Bing aber doppelt so dick, ein kleiner schwerer Brocken also - ist Tee-Kunst auf höchster Ebene (und deshalb finde ich auch die Kombination mit den handgezeichneten Wrappern so charmant). Durch die etwas festere Pressung kommt der Tee etwas herber und bitterer rüber als die 2024er Version, was aber paradoxerweise sogar irgendwie noch mehr zu dem beschriebenen Charakter beiträgt und sich daher positiv auswirkt (obwohl ich ja immer gegen eine zu feste Pressung wettere) - und exakt dieser naturverbundene, bodenständige, bescheidene und doch so unglaublich kraftvoller, ausgeglichene Charakter ist mein persönliches Ideal eines (jungen) Sheng. Peter beschreibt das auch sehr schön mit "this tea is a very humble tea, until you got aware of its hidden, unrestrained character": man braucht etwas Erfahrung und Aufmerksamkeit, um diese Ebene im Tee sehen und erleben zu können aber wenn man das kann, dann bekommt man so viel mehr für sein Geld als bei jedem anderen Tee (und ich habe schon Tees getrunken, deren Retail-Preis das 50-fache war)!
Bewertung: 6-Sterne, Favorit

2025 970 years old tea tree (prSK) trockenes Blatt und Bing, Zeichnung No. 4 von Milos Karasek

2025 970 years old tea tree (prSK) Details trockenes Blatt

2025 970 years old tea tree (prSK) erster Aufguss

2025 970 years old tea tree (prSK) späterer Aufguss

2025 970 years old tea tree (prSK) Details Aufguss

2025 970 years old tea tree (prSK) deutlich späterer Aufguss

2025 970 years old tea tree (prSK) viel späterer Aufguss

2025 970 years old tea tree (prSK) noch späterer Aufguss (und der Tee ist noch lange nicht am Ende!)

2025 970 years old tea tree (prSK) Details nasses Blatt

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