• Kategorie: Pu'erh, Sheng
  • Herkunft: China, Yunnan, Puer, Wuliang
  • Jahrgang: 2010
  • Form: lose
  • unbekannter Produzent (via TheTea.pl)

Bei diesem Tee tut sich mal wieder das Problem der Definitionsunschärfe auf: was ist "purpel"? Meist werden Yesheng-Tees als Purpel bezeichnet (entweder in der bitteren oder süßen Variante) - das was ich für mich als Purpel bezeichnet (um eine Unterscheidung gegenüber Yesheng zu haben) sind die speziellen Zi Juan (紫娟) / Zi Ya (紫 芽) Züchtungen, die auf die eher seltene natürlich vorkommende lila Mutation. Da die Züchtung aber erst in den 2000ern aufkam und die Bäumle angeblich um die 100 Jahre alt sind, kann es sich bei diesem Tee (theoretisch) nicht darum handeln und ein Yesheng ist es definitiv nicht (dann wäre er "duftender" (Yeshengs haben ein sehr intensives Aroma) und das Blattgut bunter (neben den dunklen Blättern sind hier auch immer hellere Blätter enthalten)) - bleibt also eigentlich nur die natürliche Variante übrig. Alles nicht so einfach, wenn man hier präzise sein möchte - allen interessierten kann ich diesen interessanten Artikel von Olivier Schneider zu dem Thema ans Herz legen.
Aber nun zum Tee: er wurde bis 2017 in Taiwan gelagert und genau diese Lagerung ist es meiner Meinung nach, die den Tee spannend macht! Wie schon gesagt ist es kein Yesheng (außer ich liege total daneben - meine Erfahrung mit Yesheng in dieser Altersklasse ist im Vergleich zu normalem Sheng doch überschaubar), daher ist der Duft des nassen Blattes eher dezent und hat eine schöne dezente Champignon-Note mit etwas eher schwer zu fassendem, was auch im Geschmack mitschwingt und für mich von Kork hat - um genauer zu sein die leicht feuchte Innenseite (Unterseite?) eines Weinkorkens (zumindest hab ich den Duft so ähnlich in Erinnerung, ist schon einige Jahre her, als ich noch Alkohol getrunken habe). Ergänzt durch leich holzige Noten mit einem sauberen Charakter gefällt mir der Tee ganz gut, auch wenn er nicht all zu kräftig ist (aber doch deutlich kräftiger, als so mancher scheuer nicht-bitterer Yesheng!) - vor allem in den ersten Aufgüssen zeigt er ein erstaunliches Maß an Schwere (die Wasser-Mischung ist mir heute gut gelungen, siehe Detailbild). Interessant ist, dass der Tee bei längeren Aufgüssen nicht unbedingt bitterer wird sondern eine etwas herbe Säure bekommt, die aber kein bisschen unangenehm ist. Zwar nicht ganz das, was ich in einem Sheng suche aber trotzdem ein spannender Tee!
Offtopic: wie man im Detailbild sehen kann, schwebt das Kännchen dank dem besonders hohen Fuß über dem Wasser - ich bin gespannt, wie sich das hinsichtlich Patina auswirkt, da sich die bei den übrigen Kännchen insbesondere oben und unten entwickelt!
Bewertung: 4-Sterne

2010 Wuliang Shan Qiao Mu Purple (TTpl) trockenes Blatt

2010 Wuliang Shan Qiao Mu Purple (TTpl) erster Aufguss

2010 Wuliang Shan Qiao Mu Purple (TTpl) zweiter Aufguss

2010 Wuliang Shan Qiao Mu Purple (TTpl) dritter Aufguss

2010 Wuliang Shan Qiao Mu Purple (TTpl) späterer Aufguss

2010 Wuliang Shan Qiao Mu Purple (TTpl) deutlich späterer Aufguss

2010 Wuliang Shan Qiao Mu Purple (TTpl) Details Aufguss

2010 Wuliang Shan Qiao Mu Purple (TTpl) Details Kännchen

2010 Wuliang Shan Qiao Mu Purple (TTpl) Details nasses Blatt

Nächster Artikel Vorheriger Artikel