- Kategorie: Pu'erh, Sheng
- Herkunft: China, Yunnan, Puer, Jinggu, Wenshan, Kuzhushan
- Jahrgang: 2010
- Form: Bingcha, 400g (nur Sample vorhanden)
- Wuweisanfang (無爲山房) (via teehaus.cöln)
Zunächst einmal ein großes Dankeschön an das Team vom teehaus.cöln: man hat mir ein umfangreiches Proben-Paket mit verschiedenen Pu'erh zukommen lassen, die kürzlich neu in den Shop aufgenommen wurden - unter anderem einige von Wuweisanfang (無爲山房), einem Teehaus in Süd-Korea. Der Inhaber Herr Oh ist wohl schon seit den 1990ern in Yunnan unterwegs, seit den 2000ern produziert er auch selbst Tees mit Fokus auf Manzhuan, Yiwu, und Yibang. Zu den Hintergründen gibt es auch hier einen interessanten Blogpost: angefangen hat alles mit von ihm organisierten Gruppenkäufen und als er angefangen hat selbst Tees pressen zu lassen, war das auch zunächst für sich selbst und im privaten Bekanntenkreis. Nach der Zusammenarbeit mit verschiedenen Produzenten, Factories und Farmern haben sich bei seinen Produktionen dann 3 Linien herauskristallisiert:
- Si Cang (私藏), die Privatsammlung: das ist die Flagship-Serie. Zu Beginn noch Regions-Blends sind es nun primär single origin Tees aus Gushu-Material aus der ersten Frühjahrs-Pflückung, hauptsächlich von den Farmern mit denen er schon am längsten zusammenarbeitet. Interessant finde ich den Hinweis, dass auf Füllmaterial verzichtet wurde - da bin ich als Boutique-Snob von Peters Tees doch sehr verwöhnt, als dass mir sowas bei ernsthaften Tees in den Sinn kommen würde 😅 Sehr spannend in dem Zusammenhang aber auch dieser Blogpost, wo näher auf das Thema eingegangen wird und interessanterweise ein Vergleich von CYH und XZH herangezogen wird. XZH ist wohl bekannt dafür, großzügig Füllmaterial zu nutzen - vielleicht ist das ein Grund, warum mir die Tees bis auf 3 Ausnahmen nie so recht zugesagt haben - CYH hingegen schon deutlich mehr. Und auch ein sehr guter Hinweis ist, dass man das Qi beobachten soll: bei multi-region Blends hat man das selbe generische Erlebnis, wie wenn Füllmaterial verwendet wird - das ist genau das, was ich meine, wenn ich davon schreibe, dass multi-region Blends der Rote Faden fehlt!
- Special Productions: hierbei handelt es sich um alte Bäume (laut Shop mindestens 150 Jahre), also Dashu-Material, ebenfalls aus der ersten Frühjahrs-Pflückung. Diese Tees werden von Freunden und Bekannten von Herrn Oh gesourct und stammen daher teilweise aus anderen Regionen
- Arbor Serie: diese Tees stammen von mittelalten Bäumen (laut Shop 80-120 Jahre), also älter als Xiaoshu aber noch kein Dashu was manchmal als Zhongshu klassifiziert wird. Die Tees stammen aus den selben Regionen wie die Si Cang Tees
Für den Start der Zusammenarbeit gibt es Tees aus der Special- und der Arbor-Serie - von den Si Cang Tees wird es evtl. in Zukunft welche geben aber ein gut gemachter Dashu Sheng ist ja auch schon mal was feines. Super spannend finde ich die Tatsache, dass das Teehaus von Herrn Oh in (Süd-)Korea ist: klimatisch ist das nochmals etwas ganz anderes als die mittlerweile bekannten "Klassiker" wie China, Taiwan, Malaysia und Co. Korea ist eher gemäßigt-kontinental mit einer deutlich niedrigeren Durchschnittstemperatur als Taiwan, da es im Winter schon auch ziemlich kalt werden kann - im Sommer hingegen wie ich aus eigener Erfahrung weiß sehr heiß und von Juni bis August stark von Taifunen beeinflusst, was im Vergleich zu Europa mehr Feuchtigkeit rein bringt. Ich bin sehr gespannt!
Als erstes habe ich mir den Kuzhu ausgesucht: dieser Tee stammt aus der Special-Serie, was somit auch Jinggu als Herkunftsregion erklärt (siehe oben) - da ich zu dem Zeitpunkt aber noch nichts über WWSF gelesen hatte lag die Entscheidung primär daran, dass ich kürzlich mal wieder den 2013er Kuzhu Shan von Yuzhong Zihao im Kännchen hatte und sich das als Vergleichsmöglichkeit anbot (denn so viele Tees bekommt man hier im Westen nicht von dort). Auch wenn die Optik eines Tees immer nur einen oberflächlichen Eindruck vermittelt ist es doch immer schön, hübsches Material vor sich zu haben: große dunkle Blätter - im trockenen Zustand noch recht zurückhaltend aber im nassen Zustand mit einem herrlichen Pilz-Aroma, was die Aromaebene bei dem Tee zu einem Highlight für mich macht! Von den Pilzen abgesehen ist das Aroma aber absolut sauber, was für eine sehr gute Lagerung im eher trockenen Spektrum spricht. Man schmeckt die fortschreitende Fermentation (was ich persönlich sehr mag), wenn auch weniger stark alkoholisch wie bei annähernd gleichaltrigen Tees von Peter aus EU-Lagerung (dafür haben die keine Pilze) - ob das nun spezifisch für diesen Tee ist oder für Korea typisch kann ich natürlich nach nur einem Tee nicht einschätzen. Auf der Geschmacksebene ist der Tee weniger "krass" wie der andere erwähnte Kuzhu Shan aber durchaus spannend, da durch weniger Bitterkeit hier unter anderem eine schöne, süße Kräuter-Note (Ricola? 😁) zum tragen kommt - in Kombination mit einer etwas holzig-alkoholischen Reifungsnote eine feine Sache! Das Qi ist wahrnehmbar und angenehm - nicht so ausgeprägt wie bei dem 2013er aber dafür konsistenter und die Textur ist OK - die Hauptstärken bleiben aber Geschmack und Aroma, was ich interessant finde, da der Tee (insbesondere für einen Kuzhu Shan) eher dezenter ist, dafür durch viel Komplexität auf den verschiedenen Ebenen Punkten kann. Wie bei den beiden kürzlich getrunkenen Tees von Deng Shihai kann man spüren, dass hier jemand am Werk war, der Ahnung von Tee hat - und das obwohl es sich nicht um high-end Material handelt. Ein sehr schöner Tee, wenn man sich die Zeit nimmt, um etwas genauer hinzuschauen und etwas abseits der atomic-green Shengs sucht, die es inzwischen ja wie Sand am Meer gibt - ich bin gespannt auf die weiteren Samples 😊
Bewertung: 5-Sterne








